Sonntags soll man ruhen

Bedeckter Himmel
Bedeckter Himmel

Schon als Kind mochte ich keine Sonntage. Während meiner Kindheit trug man unbequeme Sonntagskleidung, im Radio lief nur komische Musik und man besuchte mit den Eltern Verwandte, die man eigentlich nicht mochte. In einem Satz: Als Kind langweilte ich mich sonntags zu Tode.
Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Zum Glück gibt es keine typische Sonntagskleidung mehr. Auch im Radio läuft der gleiche Brei wie unterhalb der Woche. Und die meisten Verwandten ruhen auf irgendeinem Feld auf dem Friedhof. Trotzdem ist dieser Sonntagsfrust geblieben. Manifestiert wird er, wenn es draußen kalt, nass, bewölkt und trübe ist. Was will man an so einem Sonntag machen? Ihn vor der Glotze verbringen und der Verblödung fröhnen? Oder pseudo-intellektuell ganze Bücherseiten verschlingen und sich einreden, wie spannend doch dieses Buch ist?
Freunde treffen wäre jetzt schön. Gute Gespräche bei einem Kaffee führen. Doch wir haben Corona und befinden uns im Lockdown Light. Die Freunde sind seit über einem halben Jahr zwanghaft beschäftigt. Müssen Bilder auf dem PC sortieren, den Keller aufräumen, den Kleiderschrank ausmisten oder die Unterlagen für die Steuererklärung aus allen möglichen Ecken hervorkramen. Erstaunlich, womit sich Menschen monatelang täglich beschäftigen können.
Wie war das noch mal: Sonntags sollst du ruhen? Dann werde ich das mal tun.