Interesse an Jugenduntersuchung lässt nach

Kinderarzt Dr. Wolfgang Schrader | Foto: Achim Preikschat
Der Herner Kinderarzt Dr. Wolfgang Schrade führt auch Jugenduntersuchungen durch.

Nur noch 41,6 Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 14 Jahren nehmen die kostenlose Jugenduntersuchung J1 in Anspruch. Für Radio Herne habe ich nach den möglichen Ursachen gesucht und mich auch mit einem Kinderarzt unterhalten.

Wenn nicht einmal mehr jeder zweite Jugendliche in Westfalen-Lippe zwischen 12 und 14 Jahren die Jugenduntersuchung J1 in Anspruch nimmt stellt sich die Frage, ob der Check überhaupt noch zeitgemäß ist. Dazu habe ich mich für Radio Herne mit dem Werner Kinderarzt Dr. Wolfgang Schrade unterhalten. Er führt unter anderem auch Jugenduntersuchungen durch. Dabei wird der Jugendliche von Kopf bis Fuß untersucht, die Körpermaße werden gemessen und der Arzt führt ein persönliches Gespräch mit dem jungen Patienten. Außerdem müssen sowohl der Jugendliche als auch die Eltern einen Fragebogen ausfüllen. Darin wird nach Hobbies, Berufswünschen, der schulischen Leistung, sozialen Kontakten und anderen Befindlichkeiten gefragt. Ein kurzer schriftlicher Test rundet die etwa einstündige Untersuchung ab. Danach hat der Kinderarzt ein relativ gutes Bild über die allgemeine Verfassung des Jugendlichen. Dr. Schrade betont, dass bei Auffälligkeiten entsprechend reagiert werden kann. Besonderes Augenmerk bei der körperlichen Untersuchung legt der Mediziner zum Beispiel auf Haltungsschäden, Herz und Kreislauf sowie die Blutwerte. Es geht aber auch darum festzustellen, ob der Jugendliche Probleme in der Schule, im Elternhaus und in seinem übrigen sozialen Umfeld hat. Dr. Schrade betont, dass er den jungen Patienten hierzu auch ein Vieraugen-Gespräch anbietet.

Die Wichtigkeit der Jugenduntersuchung J1 unterstreicht auch Jens Kuschel von der AOK NordWest. Eltern würden explizit angeschrieben und auf die Untersuchung hingewiesen. Immer häufiger würden die Termine einfach vergessen oder verliefen im Sande, so Kuschel. Dabei entstehen den Eltern keine Kosten, denn die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Jugenduntersuchung J1 zu einhundert Prozent. Die letzte Chance übrigens zu einem kostenlosen, kompletten Gesundheitscheck, denn nicht alle Krankenkassen zahlen die Untersuchung J2, die auf 16- bis 17-Jährige zugeschnitten ist.

Ich hatte nach meinen Recherchen den Eindruck, dass die Jugenduntersuchung J1 ein wichtiges Angebot von Krankenkassen und Ärzten ist. Es reicht eine vorherige Terminabsprache mit einem Kinderarzt und wenn dann noch die Chipkarte und der Impfpass beim Praxisbesuch dabei sind, können sich Eltern und der Jugendliche in den besten Händen wissen.